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Frank Goosen: Der Förster ist im Haus

veröffentlicht am Donnerstag, 07. April 2016 von zip

Frank Goosen: Der Förster ist im Haus. Lesung aus dem neuen Buch begeistert im Hans-Sachs-Haus

Lesung aus dem neuen Buch begeistert im Hans-Sachs-Haus

Es war exakt auf die Sekunde 20:00 Uhr als im Hans-Sachs-Haus das Licht aus ging und die Bühne in einem dezenten, ganz tiefem Blau erleuchtete. Frank Goosen, Ruhrpott-Autor und Kabaretist, trat durch den Vorhang hervor und legte sich sein Buch zur Lesung zurecht. Zunächst erfuhr der Hörer einiges über die Charaktere der Figuren in seinem neuen Buch „Förster mein Förster”. Frank Goosen liest mit einem Speed und widerum mit so viel Gelassenheit, daß man glauben könnte, er selber taucht förmlich wieder und wieder in sein eigenes Werk ein und aus, ja, er lebt es mit. In dem Interview, das wir exklusiv einen Tag vor seinem Auftritt führten, hatten wir schon eine gehörige Portion Vorgeschmack auf die spannende und interessant aufgesetzte Ruhrpott-Szenerie bekommen.  Was darüber hinaus der Autor noch in der Pipeline hat, was er mit Söhnke Wortmann gerade plant und was uns im kommenden Jahr noch erwartet, darüber plaudert Frank Goosen mit uns aus dem Nähkästchen.

 

Haben Sie eigentlich schon mal ein Straßenbahn-Derby mitgemacht?

Ich war schon auf mehreren Derbies zwischen Bochum und Schalke. Einmal bin ich sogar mit der Straßenbahn hin- und zurück gefahren, habe mir dann aber geschworen das künftig nicht mehr zu machen. 

Bochum hat ja bereits einen langen Leidensweg hinter sich und auch wir Schalker kennen uns mit Herzschmerz aus.

 

Wie ist denn aktuell die Gemütslage beim VfL?

Im Prinzip eigentlich sehr positiv. Klar bedauern wir, dass wir ein paar Punkte haben liegen lassen wo es eigentlich nicht nötig gewesen wäre, weil die Mannschaft gut genug war. Besonders in der Hinrunde, als wir neunmal hintereinander nicht gewonnen und viel unentschieden gespielt haben. Das schmerzt schon ein wenig, aber wenn wir das mit den drei Jahren die davor lagen vergleichen, wo wir in der zweiten Liga gegen den Abstieg gespielt haben, was an sich schon ein ziemlicher Stress ist, dann ist diese Saison ein riesiger Schritt nach vorne. Wir haben noch immer die Chance bei den Relegationsplätzen mitzuspielen, also bin ich persönlich ganz locker, denn ich habe die drei Vorjahre miterlebt. Jetzt ist eine klare Entwicklung erkennbar und das ist das Wichtigste.

 

Gut, kommen wir nun weg vom Sport. Sie haben ein neues Buch herausgebracht, „Förster,  mein Förster“, das mittlerweile etwa vier Wochen auf dem Markt ist. Gibt es schon ein erstes Feedback?

Bisher ist die Reaktion der Leute, die auf die Lesungen kommen, durchweg positiv – viel positiver als ich erwartet habe. Da das Buch einen leicht anderen Ton hat und sich nicht jedem direkt erschließt, war ich erst skeptisch, aber bislang hatte ich immer das Gefühl, dass die Leute unheimlich beschwingt aus den Lesungen heraus gegangen sind. Bei der Premiere im Bochumer Schauspielhaus gab es eine ganz besondere Stimmung, was mich sehr gefreut hat. Auch von anderen Lesungen in Freiburg und Frankfurt kann ich nur sagen, dass die Leute das extrem positiv aufgenommen haben. 

 

Das freut mich sehr für Sie. Wie viel Frank Goosen steckt eigentlich in Förster selbst?

Ich weiß auf jeden Fall worüber ich dort schreibe, auch wenn die konkrete Situation von Förster nicht autobiografisch ist. Zum einen hat Förster keine Kinder und längere Schreibblockaden, was ich noch nie hatte, aber natürlich weiß ich wie es ist, wenn man beim Schreiben darum ringt wie es nun weitergeht. Auch die Nebenfiguren im Buch sind natürlich von Personen inspiriert, denen ich immer wieder über den Weg gelaufen bin. Er hat zum Beispiel zwei sehr schräge Nachbarn: Eine Nachbarin, die sehr alt ist und langsam auch ein bisschen dement wird und nachts Saxophon spielt, weil sie früher in einer Frauen-Tanzkapelle Saxophonistin war. Oder der pensionierte Polizist, der immer noch unwahrscheinlich kernig ist, jetzt wahrscheinlich aber auch krank ist, wie im Buch angedeutet wird. Gerade früher, als man noch in Wohnungen lebte, die sehr preiswert sein mussten, hatte ich selbst schon sehr schräge Nachbarn. Solche Leute habe ich immer gerne beobachtet und mir dann auch Dinge gemerkt, die auch in den „Förster“ mit eingeflossen sind. Die eigenen Erfahrungen fließen also immer mit ein, auch ohne dass das Buch autobiografisch ist. 

 

Wenn ich es richtig verstanden habe, spiegelt sich in dem Buch auch viel von Ihrer eigenen Jugendzeit wider. Wie viel anarchistischer Gedanke spricht denn aus dem Humor von Frank Goosen?

Die Figuren, die in dem Buch schon so um die 50 sind, denken ab und an mal an die Zeit zurück, aber eigentlich geht es in dem Buch nicht um alte Zeiten. Es gibt eine Figur, den Lehrer Tilman Brock, genannt Brocki und der ist sehr im Gestern verhaftet. Der Typ mit dem er sich immer streitet, Frank „Fränge” Dahlbusch, nimmt hingegen die moderne Zeit sehr an und übertreibt mit seiner Offenheit gegenüber Jugendtrends sogar. Das ist grundsätzlich ein Spannungsfeld, welches mich sehr interessiert hat. Persönlich muss ich sagen, dass ich heute wohl anarchischer bin als früher. In meinen Zwanzigern war ich viel auf Kabaretttournee mit TRESENLESEN, habe studiert und es selbstverständlich auf Parties auch mal krachen lassen, aber ein Umstürzler war ich eigentlich nie. Ich hatte auch immer eher Kontakt zum linken Milieu und  war politisch eher da anzusiedeln, aber ich war nie ein richtiger Rebell. 

 

Machen wir mal einen kleinen Schlenker: Ich habe gehört, dass Ihr Roman „Sommerfest“ verfilmt werden soll. Worum geht es dabei, und was kommt da auf uns zu?

In meinem Roman „Sommerfest“ geht es um einen Typen namens Stefan, der Schauspieler ist und nach zehn Jahren Abwesenheit wieder zurück ins Ruhrgebiet kommt. Er war lange Zeit als Schauspieler in München und kommt nun nach Hause, um sein Elternhaus zu verkaufen. In den zwei Tagen in denen er hier ist läuft er vielen Leuten von früher, schrägen Kleinkriminellen und seiner großen Liebe über den Weg. Hier brechen alte Geschichten wieder auf und er hinterfragt seine Situation und seinen Zukunftsweg. Die Karriere als Schauspieler ist auch schon ins Stocken geraten und er steht an einem Wendepunkt, an dem er sich fragen muss „wer bin ich und wo will ich hin?“. 

 

Es wird also ein Ruhrpottfilm ?

Ja absolut.  Andere Stoffe wie der „Förster“ könnten auch woanders spielen, aber „Sommerfest“ ist ein Ruhrgebietsbuch und es wird auch ein Ruhrgebietsfilm mit starken Ruhrgebietscharakteren von der Seltersbude bis hin zum Schrebergarten. 

 

Das wird ein Kinofilm, richtig? Kann man schon sagen wann dieser zu sehen ist?

Ja, es wird ein Kinofilm, aber er wird erst in diesem Sommer gedreht, so dass er dann 2017 in die Kinos kommt. Das Projekt, das dieses Jahr noch ins Kino kommt ist ein anderes. Und zwar hat Matthias Kutschmann, der als Kabarettist arbeitet und den Geierabend in Dortmund inszeniert hat, aus Geschichten aus zweier meiner Bücher, „Radio Heimat“ und „Mein Ich und sein Leben“, eine Ruhrgebietsstory aus den 80ern des Potts gestrickt. Die wurde verfilmt vom „Fack ju Göhte“ Produzenten, wird heißen „Radio Heimat“ und schon im November rauskommen. Das wird auch ein richtig geiler Ruhrgebietsfilm. 

 

Da freuen wir uns doch drauf. Kommen wir zum Ende und zu den letzten Fragen: Wie sehr interessiert sich Frank Goosen für die Nationalmannschaft und was erwarten Sie von der EM 2016?
Ich muss zugeben, dass die Nationalmannschaft bei mir etwas nebenher läuft. Ich bin nicht nur seit fünfeinhalb Jahren Mitglied im Aufsichtsrat des VfL Bochum, sondern war auch vier Jahre Jugendtrainer bei der DJK Arminia Bochum 1996, was heißt, dass Fußball in den letzten Jahren extrem mein Leben bestimmt hat. Auch meinen Tourplan stricke ich immer rund um den Fußball. Wenn ich mir jetzt auch noch für die Champions League oder die Nationalmannschaft Zeit freihalten müsste, würde man mich nirgends anders mehr zu sehen bekommen. Natürlich interessiert mich das, aber im Grunde ist das mit der Nationalmannschaft auch so eine Sache. Da spielen Spieler, die man normalerweise ablehnt, weil sie im falschen Verein sind und nur weil sie plötzlich den Adler auf der Brust haben … das reicht für mich nicht aus. Da wir aber Weltmeister sind, denke ich, es sollte der Anspruch da sein auch Europameister zu werden.