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René Steinberg: "Lachen Live"

veröffentlicht am Mittwoch, 04. Mai 2016 von zip

René Steinberg: WDR 2 "Lachen live" im Hans-Sachs-Haus

WDR 2 "Lachen live" im Hans-Sachs-Haus

Er ist einer der großen Sprachkünstler aus dem Ruhrpott, hat etlichen Charakteren neues Leben eingehaucht und das mit einer Mischung aus Comedy und Parodie. "Das Echo" hatte die Möglichkeit, mit René Steinberg ein Interview zu machen. Nach den nicht unerwartete ersten kleineren Reibereien, in denen es natürlich um Fussball ging (O-Ton René: „Liverpool hat nie stattgefunden!ˮ, Konter vom Redakteur: „Lever-kusen auch nicht!ˮ) war klar, wie die Vereinsfarben verteilt und wie dann auch die Gemütswelt auf beiden Seiten aussieht und man konnte sich auf des wesentliche konzentrieren.
 
Da Fußball ja bekanntlich immer der beste Eisbrecher ist, frage ich grade heraus: Wie geht’s dir so nach Liverpool?
 
Es gab kein Liverpool. Da halte ich es ganz im Sinne von „Asterix und der Avernerschild“ – Hat es nie gegeben und ich weiß nicht wovon alle reden.
 
In dem Sinne danke ich dann aber im Namen der Schalker für den einen Punkt im Derby.
 
Direkt nach dem Spiel bekam ich auch irgendwelche Nachrichten von sogenannten Freunden, die auch stark blau eingefärbt sind … Natürlich habe ich diese Nachrichten alle gekonnt ignoriert. Ist natürlich lustig nach dem letzten Spieltag (Leverkusen) nun darüber zu reden, denn zwei Tore Vorsprung einfach mal so herzugeben, das tut schon weh. 
 
Es gab kein Leverkusen :)Nun zu was anderem: Rene, du warst früher ein Kollege der schreibenden Zunft im Lokaljournalismus. Ist aus der Zeit von damals noch etwas geblieben oder vermisst du gar etwas von damals?
 
Jein. Die journalistische Arbeit ist natürlich auch für das Schreiben jetzt eine Grundlage und somit hat mir die Zeit damals bei der WAZ etc. handwerkliches Rüstzeug gegeben. Damals fand ich es besonders gut auf lokaler Ebene hinter alle Kulissen gucken zu können – ich habe ja über sämtliche Kleingärten und Kaninchenzüchter geschrieben die es gab. Ich möchte nicht direkt sagen, dass ich es vermisse, aber es war schon toll mit so vielen verschiedenen Menschen sprechen zu können und sich informieren zu können. Das würde ich auf jeden Fall immer wieder gerne machen. 
 
Dann bin ich ja nun in der Situation, in der du damals warst – und ich genieße es ebenso. Um mal auf etwas ganz aktuelles sprechen zu kommen: Der Fall Böhmermann hat riesige Wellen geschlagen. Was denkst du? Wie weit darf Satire gehen? Du bist ja schließlich auch mit lockerer Zunge unterwegs. 
 
Ich sage immer: Satire darf alles, aber nicht alles ist Satire! Grade die Nummer von Jan Böhmermann war ein Grenzgänger. In der Kommentierung und Berichterstattung darüber gibt es alle möglichen Ansätze und Interpretationen. Die Haltungen dazu reichen von Geniestreich bis absolutem Untergang – das ist das eigentlich Interessante an dem Fall, denn es zeigt mir, dass es hier keine eindeutige Antwort gibt. Insgesamt zeigt die ganze Böhmermann-Geschichte mir ein klares Bild über die Welt und Gesellschaft in der wir leben. Ohne Internet und soziale Medien hätte es diese ganze Debatte beispielsweise so gar nicht gegeben. 
 
Am 02. Juni ist es soweit, da bist du bei uns im Hans-Sachs Haus zu WDR2 „Lachen live“. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Bereitstellung zweier Tickets für unsere Leser. Wie ist „Lachen live“ damals eigentlich entstanden und wer hatte die Idee das Ganze auf Tour zu bringen?
 
Bei mir fing alles damit an, dass ich mich irgendwann auf verschiedenen Kleinbühnen ausprobiert habe. Gerade im Ruhrgebiet gibt es ja verschiedene Shows wo man sich immer 10 bis 15 Minuten üben kann – in dem Sinne noch einmal vielen Dank an die lieben Kollegen von damals für die Möglichkeiten. Circa zwei Jahre später, also 2008, gab es dann eine live Radiosendung bei der ich merkte, dass es mit Kollegin Maria Grund-Scholer, die damals auch schon die von der Leyens gesprochen hat, besonders gut klappt. Wir haben gut harmoniert und uns auch gut ergänzt. Als spontane Idee habe ich Maria dann vorgeschlagen einen Bühnenabend zu machen, um auszuprobieren wie es wäre Radio auf die Bühne zu bringen. Tatsächlich konnten wir dann in einem kleinen Düsseldorfer Theater mit etwa 70 Plätzen ein paar Abende absolvieren. Das Ganze hat sehr viel Spaß gemacht und  wir konnten verschiedene Dinge ausprobieren, bis dann irgendwann tatsächlich ein Programm daraus entstand. Erst als wir dieses Programm dann sozusagen im Kasten hatten, bin ich zu WDR2 gegangen und habe gefragt, ob man dies dort nicht präsentieren wolle. Die haben in der Tat zu der Zeit genau nach so etwas gesucht und so ging das dann los. Im Grunde konnte das Ganze aber nur so entstehen wie wir es gemacht haben… Das Ausprobieren mit Maria war notwenig, um das Programm genau so zu schaffen wie es jetzt ist. Wäre der WDR auf uns zugekommen und hätte ein Programm gefordert, hätte die ganze Sache mit Sicherheit komplett anders ausgesehen. 
 
War das nicht auch zu der Zeit als WDR2 begann „WDR für eine Stadt“ zu machen? In dem Sinne passte eure Sache da natürlich super mit in den ganzen Rahmen. 
 
Genau, Hückeswagen war 2008 zum ersten Mal und da haben wir auch zum ersten Mal gespielt. Danach waren wir dann zusammen mit zwei Programmen auch auf großen Bühnen unterwegs. 2013 kam dann „Angie und Peer – Das letzte Duell“, wo Uli Winters als Peer Steinbrück dazu kam. Im Anschluss folgte eine Pause, weil auch Maria sagte „Mir reicht’s“ – sie wollte lieber die Zeit auf ihrem Bauernhof und nicht in den verschiedenen Garderobenkellern der Stadthallen verbringen. 
 
Das ist auch vollkommen legitim. Du hast ja bereits viele verschiedene Figuren geschaffen und umgesetzt. Sind da noch weitere in Planung und worauf dürfen wir uns künftig freuen? Ich spiele da jetzt schon mal auf den 24. September an, wenn du mit deinem Soloprogramm unterwegs bist. 
 
„Lachen live“ und das Soloprogramm sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Von den Figuren her können bei „Lachen live“ natürlich alle bekannten Figuren aus dem Radioprogramm auftauchen. Das Soloprogramm ist da etwas anders. Auch da kommen natürlich die Radiohörer auf ihre Kosten, aber im Grunde ist es so konzipiert, dass ich als ich selbst raus komme und mit den Menschen kommuniziere. Es wird eher ein buntes, heiteres Comedy-Kabarett-Programm. Natürlich möchte ich in meiner Show eine gewisse Meinung transportieren, aber dies soll ohne Zeigefinger, sondern mit ganz viel Spaß passieren. 
 
Dann sehen wir dich ja sicher auch bald in Gladbeck, wenn der WDR in der Stadt ist.
 
Ja, ich werde auch in Gladbeck sein. Außerdem bin ich Anfang Juni noch zu den Ruhrfestspielen in Recklinghausen, wo ich allerdings wieder ein ganz anderes Projekt mache mit prominenten Gästen an meiner Seite. Der Abend dort heißt „Blicke ein Stück nach vorn“ und die Idee dahinter ist, dass es zig Rückblickshows gibt, also warum nicht mal eine Voraussicht wagen? Einfach mal einen Blick in die Zukunft wagen, was wird passieren, gibt es eine Apokalypse oder nicht? 
 
Das klingt doch spannend. Letzte Frage: Ich habe grad Facebook geöffnet und mir fällt auf, dass du dort nicht mehr so aktiv bist wie früher. Hast du dich dort etwas zurück gezogen?
 
Nein, das liegt nur daran, dass ich mein Profil von privat auf eine öffentliche „Gefällt mir Seite“ umgestellt habe. Dort bin ich dann weiterhin offiziell tätig und versuche jeden Tag einen kleinen Witz oder Gedanken unterzubringen. 
 
Rene, vielen Dank für das Interview und bis Anfang Juni im Hans-Sachs Haus!