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Sven Pistor: Wir holen den EM-Titel

veröffentlicht am Dienstag, 08. März 2016 von zip

Sven Pistor: Wir holen den EM-Titel - Die Bühnenshow Pistors Fußballschule begeistert im Hans-Sachs-Haus

Die Bühnenshow Pistors Fußballschule begeistert im Hans-Sachs-Haus

Er ist der Fußball-Experte schlechthin, Moderator und Macher der WDR2-Sendung Liga-Live, die uns allsamstaglich über den Sender geschickt wird. Er macht für uns das Fußball-Kino für die Ohren: Sven Pistor. Im Januar war er mit seiner Fußball-Bühnenshow „Pistors Fußballschule“ im Hans-Sachs-Haus. Im ausverkauften Saal begeisterte Pistor  mit seinen Schulstunden das gut gelaunte Publikum, das sich meist mit Schaal und Trikot zu seinen Vereinsfarben bekannte. Und die gingen einmal quer durch die gesamte Liga. Unterstütz wurde Sven Pistor von Mike Büskens und von Peter Neururer, die, gerade wenn es um Taktikfragen und Aufstellungs-Philosophien ging, ihre gesamte Kompetenz zum Ausdruck brachten. Auch WDR2-Kollege Burkhard Hupe übernahm die ein oder andere Schulstunde und berichtete über Berichterstatter des Radios der ersten Stunden. Im Anschluss standen alle Kompetenzen dem Publikum in der Mixed-Zone für Autogramme und Gespräche zur Verfügung.

Anlässlich seines Auftritts mit der „Pistors Fußballschule“ im Hans-Sachs-Haus hatten wir die Möglichkeit ein exklusives Interview mit Mr. Live zu führen. Erfahren Sie, was einen Radiomacher bewegt, wie Herr Pistor wirklich tickt und tippt.

Herr Pistor, Sie sind geborener Kölner, sind Sie auch mit Herz und Seele FC Fan?

Eine nicht ganz einfache Frage. In meiner Sendung muss ich neutral sein und ich kann Ihnen sagen, dass es sich bei mir im Grunde so wie bei einem Richter verhält: Wenn ich das Studio betrete, ziehe ich meine neutrale Robe an und blende alles Persönliche aus. In der Sendung bin ich so neutral wie eben möglich. Klar ist aber auch, dass ich 1972 in Köln geboren bin und dort 1978 eingeschult wurde. In diesem Jahr holte Köln das Double und so wie jeder irgendwo seinen Anfang hat, war das mein fußballerischer. Jeder deutsche Sportjournalist hat natürlich irgendwo seine Wurzeln, wie  z.B. mein Kollege Matthias Opdenhövel, der ja seinerzeit bei Gladbach Stadionsprecher war. Im Endeffekt spielt das aber keine Rolle und wenn man kritische Berichterstattung betreibt, sogar gar keine Rolle mehr. Ich selbst habe das Gefühl, dass ich mit zunehmender Zeit immer neutraler werde.

Gibt es für Sie einen Lieblingsspieler bzw. einen Lieblingstrainer oder denken Sie da eher objektiv?

Es gibt natürlich Spieler, die ich ganz toll finde. Wenn ich zum Beispiel sehe was ein Leroy Sané da spielt, das ist ganz toll. Oder einen Thomas Müller, auch wenn er bei den Bayern spielt, da schnalze ich mit der Zunge. Ich liebe solche Spieler. Ich mag auch einen Ilkay Gündogan, der augenblicklich in einer Topform ist oder so einen Julian Brand, der leider gerade nicht zum Zuge kommt. Aber bei solchen Spielern muss man einfach nur die Spielweise betrachten und schon guckt man sie sich gerne an. Bei den Trainer gibt es schon den ein oder anderen, den man mag, aber da nennt man jetzt keine Namen.

Ich möchte gerne auf die „Sven Pistor Fußballschule“ zu sprechen kommen. Mal davon abgesehen, dass Sport natürlich auch ein kulturelles Gut ist, spannt ihr Programm einen direkten Bogen vom Fußball zur Kultur. Wer ist auf diese tolle Idee gekommen?

Das war meine Idee. Sie kam mir montagmorgens, als ich mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Wochenkonferenz war. Ich hatte sie bereits länger im Kopf, da ich früher auch schon Musik auf der Bühne gemacht habe und Auftreten immer toll fand. Außerdem habe ich bereits viele Veranstaltungen mit Alt-Internationalen, Trainern, Aktiven und Schiedsrichtern moderiert und so kam mir die Idee: Mann, warum nicht mal eine Fußballschule auf der Bühne machen, so mit verschiedenen Schulfächern?! Diesen Gedanken habe ich beim WDR vorgestellt und die fanden das ebenfalls ganz gut. Daraufhin habe ich mich mit Knacki Deuser zusammen getan, der ja seit langem schon NightWash moderiert und auch Regie führt. Mit ihm habe ich die Fußballschule zusammen entwickelt und jetzt gehen wir damit auf die erste Tour. Ich darf hier verraten, dass wir bereits jetzt an unserem nächsten Programm arbeiten. Fußball gab es in dieser Form vorher nicht auf der Bühne und der Erfolg bestätigt das Projekt.  Bislang gibt es noch einige wenige Termine im März und April - die Leute wollen das, die mögen das. Das Hans-Sachs-Haus war im Nu ausverkauft, mehr als 700 Leute aus der gesamten Region haben uns besucht. Es muss also weitergehen! Im nächsten Programm konzentrieren wir uns noch mehr auf die Bundesliga und das wird sehr spannend. Es wird Neuigkeiten sowie Überraschungen geben und auch Prominenz wird in den zwei Halbzeiten auf der Bühne vertreten sein. Soviel kann ich schon jetzt versprechen.

Das hört sich ja ganz toll an. Insgesamt geht es bei Ihnen um sehr viel Wissen oder auch Halbwissen. Wir alle kennen den großen Fußball-Reporter Rolf Töpperwien. Ihn bezeichnet man noch heute als „Die wandelnde Fußball-Datenbank“. Ist Sven Pistor auch eine?

Rolf habe ich kennengelernt. Ich war damals in seinem Windschatten bei der Europameisterschaft 2004 unterwegs und wir hingen an den Fersen von Otto Rehhagel bei seinem großen Erfolg mit Griechenland. Rolf kann man auch nachts wecken und fragen: „Auf welchem Label erschien das erste Album von Led Zeppelin?“, so was hat er dann auch drauf. Musik ist neben dem Fußball sein ganz großes Ding. Dass ich eine „wandelnden Datenbank“ bin, das kann ich so nicht von mir behaupten, zumindest nicht im totalen Freakbereich. Natürlich, die großen Linien des Fußballs, die muss man schon drauf haben. Wo wer so herkommt und auch Vereinsgeschichten, auch die Schalker Geschichte und so weiter. Es ist ja schon ein Unterschied, ob jetzt z.B. Schalke spielt oder Leipzig. Die unterschiedlichen Herangehensweisen muss man einfach auf dem Schirm haben.

Etwas Aktuelles: Es geht um die jungen Spieler wie z.B. Leroy Sané. Wir erinnern uns kurz daran wie wir mit 19 Jahren so drauf waren. Und jetzt werden für diesen Jungen unglaubliche Summen geboten. Ich meine, es muss ihm doch schon bei der ersten Nachricht darüber schwindelig werden. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Das ist in der Tat unglaublich. Es gibt junge Spieler die das ziemlich einfach wegstecken und auch solche, denen das  total egal ist. Man wünscht sich, dass sie sich trotz solcher Zahlungen weiter entwickeln. Ich hoffe, dass es bei Sané so weitergeht und nicht stagniert. Wenn es mit den Transfergeldern jetzt schon bei solchen Summen losgeht, bleibt selbst mir die Spucke weg. Diese Nachrichten aus England, wo echt eine Menge Geld im Spiel ist, werden wohl nicht die letzten Meldungen darüber gewesen sein, was für deutsche Spieler geboten wird. Es ist eine Entwicklung die ich mit Staunen und Sorge betrachte. In der Tat ist das eher angsteinflößend. Ich selbst bin ja im Fußball der 80er Jahre sozialisiert und ich glaube, dass alle damals noch enger beisammen waren. Was da jetzt abgeht ist einfach Wahnsinn und grenzt schon an ein Videospiel.

Wo wir gerade bei Spielern sind… Herr Pistor, wir alle tippen gerne und heute bei „Alle gegen Pistor“ musste ich feststellen, dass Sie in dieser Saison, um es freundlich auszudrücken, nicht gerade vorne dabei sind… (Da lacht er mit…)

Wir haben insgesamt um die 100.000 registrierten Tipper und ich bin da irgendwo im 30.000er Bereich unterwegs, was ich ehrlich gesagt gerne verdränge. Wenn man bedenkt, dass nicht alle von A bis Z aktiv mittippen, befinde ich mich im Mittelfeld, aber ganz ehrlich, das ist für mich zu wenig. Ich muss viel Häme und Spott ertragen als der Mann, der keine Ahnung hat.

Oh je, und dann macht er die Fußballschule… ;)

Ja eben… Aber ich arbeite daran! Es ist ja so:  An ein oder zwei guten Spieltagen kann man gleich mit einem Sprung 10.000 Plätze gutmachen. Ich habe mich auch mit den Besten der Besten unterhalten und es gibt so viele verschiedene Tippansätze... Manche behaupten, dass sie mit Sinn und Verstand tippen. Einer tippt frei aus dem Bauch, der Andere tippt immer 1:3 oder 3:1 und so weiter.  Meiner Meinung nach ist immer auch ganz ganz viel Glück dabei. Ich persönlich orientiere mich an der Favoritensituation bei den neun Spielen. Ich schaue mir auch mal die Quoten dazu an und suche mir dann eine Überraschung für den Spieltag aus - das ist meine Herangehensweise. Im Grunde geht eigentlich nichts über den Tipp des richtigen Ergebnisses. Tendenz-Tipps helfen einem nicht wirklich weiter im Ranking. Ich werde mich jetzt in der Rückrunde kämpferisch zeigen und versuchen letztendlich unter die ersten 10.000 zu kommen.

Die Fußballwelt diskutiert jeden Samstag über Handspiel im Strafraum, Abseits oder nicht, Foul am oder im Strafraum. Was regt Sven Pistor am meisten auf, was würden Sie am liebsten verändern oder verbessern?

Ich hatte letztens noch ein Gespräch mit Helmut Krug, dem Manager der Schiedsrichter in der Liga, zum Stichwort Videobeweis. Es gab Anfang der Saison ja Entscheidungen die echt hanebüchen waren. Fundamentale Schiedsrichterentscheidungen regen mich total auf - die regen alle auf. Wir waren uns dahingehend einig, dass dieses Mittel schon bald zum Zuge kommen wird. Die Frage ist nur, wie definieren wir die Situationen in denen der Videobeweis eingesetzt werden soll? Der Spielfluss soll ja möglichst nicht unterbrochen werden, aber bei wirklich fundamentalen Entscheidungen will ich einfach den Videobeweis! Es kann nicht sein, dass eine Mannschaft durch ein Handtor gewinnt, das ist einfach unfair. Solche Sachen regen mich tierisch auf und mit der Torlinientechnologie ist ja schon ein erster Schritt getan. Ich glaube da wird sich auch weiter noch etwas tun. Im Grunde ist es aber auch wichtig den Fußball so zu lassen wie er ist.

Zum Abschluss: Jetzt kommt die EURO 2016. Was ist drin für unsere Jungs, Herr Pistor?

Wir holen den EM-Titel! Ich hatte schon weit vor der WM 2014 Deutschland als Weltmeister getippt. Ich glaube, dass Deutschland eine gute Chance hat. Natürlich ist man ein paar Monate vor dem Turnier immer skeptisch, auch aufgrund der nicht so guten Qualli, ob Joachim Löw die Mannschaft gut hinkriegt. Ich setze auf den Bundestrainer, wenn er es schafft seine Mannschaft wochenlang im Trainingslager vorzubereiten und zu prägen. Deutschland ist definitiv der Tippfavorit, wird aber gejagt von allen starken Mannschaften. Ich zähle auch Frankreich zu den starken Teams. Meine Meinung allerdings steht: Deutschland wird Europameister 2016!